Wie sich Covid-19 auf meinen Alltag auswirkt

Durch Covid-19 (Umgangssprachlich Corona) hat sich mein Alltag sehr verändert. Viele Dinge sind dadurch für mich einfacher geworden, aber, wie für die meisten Autisten, sind Veränderungen jeglicher Art schwierig für mich.

Da die Schule momentan nicht regulär stattfinden kann, sondern ich den Schulstoff Zuhause erarbeiten kann, ist fast alles, was Schule angeht, für mich einfacher. Zum Beispiel habe ich vorher immer Probleme damit gehabt, morgens früh aufzustehen, und konnte daher auch sehr häufig die Schule nicht besuchen. Aber dazu wird auch noch ein Beitrag kommen…

Jetzt habe ich kein Problem mehr beim Aufstehen, da ich nicht mehr den Druck habe, in die Schule gehen zu müssen, oder auch den Bus zu bekommen.

Jedoch habe ich dafür jetzt Probleme bei der Strukturierung meines Tagesablaufes, da ich jetzt keinen festen Tagesablauf mehr von außen vorgegeben bekomme. Es fällt mir auch schwer, mich selbst zu motivieren und den Ablauf für die Schulaufgaben selbst zu organisieren. An dieser Stelle ein großes Dankeschön an meinen Lern-Coach, der mir tatkräftig dabei hilft, dies zu bewältigen und mir jederzeit mit Rat und Tat zur Seite steht.

Die Strukturierungsschwierigkeiten kommen aber auch größtenteils daher, dass die Schule meistens nicht Aufgaben für den Tag, sondern für die ganze Woche ins Portal stellt. Daher habe ich dann einen riesigen Berg Aufgaben vor mir, und ich habe keine Ahnung, wo ich anfangen soll.

Allerdings dreht sich das Leben ja auch nicht komplett um die Schule, und auch so verändert sich mein Alltag sehr stark durch Covid-19. Beispielsweise arbeitet Frieda jetzt auch im Homeoffice, somit habe ich den ganzen Tag über einen Ansprechpartner, was mir sehr hilft.

Und auch so ist mein Alltag momentan viel entspannter, da fast alle Termine, die ich sonst noch nach der Schule wahrnehmen müsste, zurzeit nicht stattfinden. Insgesamt habe ich also deutlich weniger Stress und bekomme somit auch weniger Overloads. Dazu kommt dann auch, dass weniger Soziale Interaktionen abgefordert werden, welche für mich immer sehr kraftraubend sind.

Dafür gehe ich momentan aber auch sehr viel weniger vor die Tür, was ich sowieso schon viel zu wenig mache.

Natürlich ist Covid-19 eine sehr große Gefahr, jedoch, wenn man nur mein Leben betrachtet, hat es doch mehr Positives als Negatives.

Wie kommt ihr denn mit der momentanen Situation klar? Lasst es uns wissen, indem ihr einen kurzen Kommentar schreibt.

Euer Tommy

Autor: Tommy H

Ich bin Autist. Ich habe die Autismus Diagnose mit 15 Jahren bekommen. Bei mir wurde Atypischer Autismus mit High Funktion Diagnostiziert.

2 Gedanken zu „Wie sich Covid-19 auf meinen Alltag auswirkt“

  1. Hai ich freue mich über diesen Weg dich zu begrüßen .
    Ich finde dein Beitrag super faszinierend und kann sagen du bist ein tausendschrittige Vortschritt gemacht. Es ist sehr klar formuliert wie du dich grade fühlst in dieser Situation. Du hast auch selber begründet , was dein Alltag ennorm stresst, was auch noch von halbes Jahr nicht der Fall war.
    Ich kann nur sagen die Erste zwei Wochen von Coronaferien waren für mich viel mehr anstrengender, als 1,5 Stelle Arbeit. Aber es ist trotzdem sehr schön wenn es auch zwangshaft ist, einfach zusammen mit Familie sein, die Sachen machen zu Hause, was du schon mehrere Jahre verschoben hast, ZB: Abstellraum aufraumen oder so lange im Wald sein wie du willost und nicht nach der Zeit zu bschauen. Manchmal denke ich aber “wie so mein Haus so klein mit 120 qm ist, oder warum habe ich so viele Kinder????????”. Aber dann kommt auch was schönes wieder.
    Ich kann nur eins sagen: Gemeinsam sind wir STARK

  2. Hallo,
    ich bin kein Autist, aber ein Freund von jenen, die ihre Päckchen tragen und kämpfen.

    Der Lerncoach bedankt sich für das Lob und gibt es sehr gerne an den sehr angenehmen Schüler zurück 😀

    Seit dieser Woche komme ich mit der neuen Situation recht gut zurecht, aber wohl nur, weil ich eben muss. Es ist irgendwie schade, dass so etwas Alltag werden muss, aber es geht wohl nicht anders.

    Ohne meinen Beruf würde mir gerade auch die Struktur fehlen, gibt es doch immer so viele Sachen, die einfacher und manchmal auch interessanter sind als Schule 😀

    Aber: Ständige soziale Kommunikationen stressen mich auch sehr, ich mag den Leuten nie etwas vorspielen, beruflich bedingt kann man aber auch nicht einfach zu 100 % stets sagen, was man denkt (außer man hat so reife Schüler wie den Blogbetreiber hier :), von daher überwiegt für mich auch aktuell eher das Positive.

    Vermutlich lernen gerade einige Menschen, sich mit sich selbst zu beschäftigen, und ich glaube, das ist für Viele eine sehr schwierige Aufgabe.

    Immer positiv bleiben und versuchen, das Beste aus Allem zu machen.

    LG
    Zak der Mäc

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