Erste Diagnose und die Kindergarten- und Grundschulzeit

Wie ich euch bereits in einem anderen Blog-Beitrag erzählt habe, war Tommy von Anfang an sehr auffällig. Zumindest für mich. Die Ärzte haben mich mehr oder weniger immer nur vertröstet und meine Sorgen, dass irgendetwas nicht stimme, in keiner Weise ernst genommen.

So hat Tommy in den ersten Lebensjahren nie länger als eine Stunde am Stück geschlafen, jegliche Nahrung außer Muttermilch komplett verweigert, und bis zum Alter von 4 Jahren auch nicht gesprochen. Auch war er motorisch sehr unbeholfen. Alles, was seiner Schwester Laura einfach so wie von selbst gelang, musste Tommy sich schwer erarbeiten.

Nichtsdestotrotz war Tommy immer ein sehr liebes und besonders liebenswertes Kind, aber seine in allen Bereichen verzögerte Entwicklung machte mir große Sorgen.

Als Tommy dann im Alter von 3 Jahren in den Kindergarten kam, dachte ich, dass es ihm sicher guttun würde, mit anderen Kindern zusammen zu sein und dass er dort bestimmt auch einen Entwicklungsschub machen würde. Leider hatte ich mich da gründlich getäuscht.

Der Kindergarten war für Tommy ganz schrecklich und er hat jeden Tag geweint, wenn er dort hin gehen sollte. Zu dieser Zeit hatte ich natürlich noch keine Ahnung, warum es für ihn dort so schlimm war und von Autismus hatte ich auch absolut keine Ahnung.

Nach einer Zeit bat ich dann seine Erzieherin, Tommy doch einmal eine Weile zu beobachten im Vergleich mit gleichaltrigen Kindern, da mir zu Hause doch einige Dinge merkwürdig vorgekommen sind, z.B. auch, dass er so gar keine Farben benennen konnte. Tommys Erzieherin hat ihn dann ein paar Tage etwas genauer beobachtet und hatte sage und schreibe 2 DIN A4 Seiten voll mit Auffälligkeiten gegenüber gleichaltrigen Kindern aufgelistet. Das war selbst für mich ein Schock.

Aber mit dieser Auflistung hatte ich nun endlich etwas in der Hand, womit ich beim Kinderarzt auch auf Gehör gestoßen bin. Natürlich habe ich Tommy von Anfang an zu Hause so gut es ging gefördert und auch bei seiner Schwester Laura hat er sich Vieles abgeschaut, aber das war halt nicht genug.

Nachdem der Kinderarzt den Bericht vom Kindergarten gelesen hatte, ging es auf einmal recht schnell. Wir bekamen Frühförderung und Rezepte für Ergotherapie und Logopädie. Auch vonseiten der Therapeuten wurde nochmal ganz klar bestätigt, dass Tommy in allen Bereichen eine Entwicklungsverzögerung von mindestens 2 Jahren aufwies.

Mit Hilfe dieser Therapien und all den Übungen, die wir nun täglich auch zu Hause durchführen mussten, machte Tommy wirklich große Fortschritte. Ich denke, ich muss nicht groß erwähnen, dass ich mir in dieser Zeit nichts weiter vornehmen musste, selbst wieder arbeiten zu gehen, war unmöglich. Dazu hatten wir viel zu viele Termine und Tommys und Lauras Förderung standen immer an erster Stelle.

Von Seiten der Logopädin kam dann der Hinweis, ich solle Tommy doch mal in einer Kinder- und Jugendpsychiatrie vorstellen, sie habe die Vermutung, Tommy könne ADHS haben. Vieles würde dafürsprechen.

Nach der Testung in der Kinder- und Jugendpsychiatrie war das Ergebnis sehr deutlich: ADHS und AVWS.

Mit dieser Diagnose kam dann auch die Empfehlung, Tommy an einer Schule für hörgeschädigte Kinder vorzustellen. Hier würde man auch bereits Vorschulkinder aufnehmen. Die Warteliste an dieser Schule war sehr lange und sie konnten ja auch nur wenige Kinder aufnehmen.

Wir hatten Glück und haben einen Termin zur Vorstellung bekommen. Tommy hat es dort sehr gut gefallen und er sagte dort direkt, dass dies seine Schule sei. Oha, wir wussten ja noch gar nicht, ob er dort einen Platz bekommen würde. Aber für ihn war die Sache klar – diese Schule oder keine!

Was soll ich sagen, er hat einen Platz dort in der Vorschulklasse bekommen. Das hieß aber auch, dass er von nun an jeden Tag eine Stunde mit einem Fahrdienst dorthin fahren musste, um dort eine Ganztagesschule zu besuchen, und dann auch wieder eine Stunde Heimweg hatte. Das war ein sehr langer Tag für ein so kleines Kind.

Mir war ganz schön mulmig, als es dann endlich soweit war.

Aber Tommy hat es dort sofort gut gefallen, er musste nicht mehr in den Kindergarten, in dem er sich so unwohl gefühlt hat, und ich kann rückblickend sagen, die Tatsache, dass Tommy einen Platz an dieser Schule bekommen hat, war für uns besser als ein Sechser im Lotto. Der geregelte Tagesablauf war für ihn goldrichtig. Das Jahr in der Vorschulklasse hat Tommy so gutgetan und die Lehrerinnen dort machen wirklich einen großartigen Job.

Tommy konnte auch für die gesamte Grundschulzeit an dieser Schule bleiben, und auch wenn wir zu diesem Zeitpunkt noch keine Ahnung hatten, dass Tommy Autist ist, so war die Schule dort trotzdem genau richtig für ihn. Es gab einen absolut geregelten Tagesablauf, kleine Klassen, überall Teppich wegen der Schalldämmung. Und jedes Kind dort hatte irgendein Handicap, irgendeine Besonderheit. Es war selbstverständlich, dass dort jedes Kind so akzeptiert wird, wie es ist.

Diese Schule war für uns alle ein großer Gewinn und ich bin auf ewig dankbar dafür, dass Tommy damals diese Chance bekommen hat. Er war ein sehr guter Schüler, allerdings fehlte auch hier bereits die mündliche Mitarbeit. Das Thema „mündliche Mitarbeit“ war mein Begleiter bei allen Elternsprechtagen.

Nun ist der Text doch viel länger geworden als geplant. Darauf, wie es nach der Grundschule weiterging, werde ich zu einem späteren Zeitpunkt separat eingehen.

Über Kommentare und Hinweise, wie ihr bzw. eure Kinder im Kindergarten und in der Grundschule zurecht gekommen sind würde ich mich sehr freuen.

Herzliche Grüße – Frieda

Autor: Frieda H

Ich bin die Mutter von Tommy und Laura

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